Liebevoll gesammelt und aufs getreulichste nacherzählt von Michael Till Heinze
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| Bildbeschreibung | Link | Ausgabe Fehntjer Kurier |
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Rhauderfehn (H). - Auf seiner Reise in die Vergangenheit möchte der Fehntjer Kurier ein zweites Foto vom Bernhardschen Geschäftshaus vorstellen. Der Blick geht etwa vom heutigen lnformationsbüro in der Gemeinde Rhauderfehn ins Untenende zum Kreisel. Wer das Glück hat, die Originalaufnahme als Dia sehr groß auf einer Leinwand zu sehen, der erkennt deutlich im Hintergrund das Hagiussche Haus und die Ziehbrücke und rechts davon die Kirche - aber ohne Kirchturm. Wer bislang gut aufgepaßt hat, der weiß, daß dieses Foto also vor 1886 gemacht worden sein muß. Wer ehrlich genug ist, der wird auch zugeben, daß diese Aufnahme dem Foto ,,Blick in die 1. SW." stark ähnelt. Hier wie dort der gleiche Dreihpost mit einem Mann darauf. Auch hier rechts einige Männer, die angestrengt auf die andere Seite blicken (Aufstockung des Bahnschen Hotels??). Normal ist jedenfalls, daß die Menschen in die Kamera gucken, was der Fotograf aber nicht wollte. Wahrscheinlich könnten uns Frau Gottschalk oder Frau Bernhards mehr über die eine oder andere Person auf dem Bild erzählen. Rechts das große Haus jedenfalls wurde 1880 von P. H. Graepel an den Kaufmann J. M. Bernhards verkauft, denn sein Sohn Conrad Philipp Graepel hatte 1869 die Frauke Hagius geheiratet, einzige Tochter des Cleis Alrich Ibeling Hagius. 1880 wurde daraus C. A. I. Hagius und (Schwieger-) Sohn, und es entstand ein großes Kaufhaus, das dort stand, wo heute das Rathaus und die Sparkasse stehen. Das Foto müßte also eigentlich das ,,Graepelsche Geschäftshaus" heißen, aber die Jahrzehnte verändern unsere Welt. Kaufmann Bernhards jedenfalls ließ als erstes diese ,,neumodischen" Jalousien anbringen. Das beweist zusätzlich, daß die Aufnahme nicht sofort 1880 gemacht wurde, sondern fünf Jahre später. Sie gehört damit zu den beiden ,,Baustellen"-Fotos, die der Fehntler Kurier am 12. November veröffentlichte. |
Vergangenheit1 |
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Schneiden wir das Geschäftshaus einmal weg und lassen auch die ganze linke Hälfte des Bildes weg, dann erscheint deutlich der Turm vor der (heute: Sundermann-Schule. Dieser Glockenturm wurde bereits 1825 errichtet. Das ist insofern bemerkenswert, das sich die Kirchengemeinde erst 1829, also vier Jahre später, von der Muttergemeinde Rhaude löste. Die ersten Gottesdienste fanden in dieser Schule statt, die etwas versetzt nach hinten stand. Im Schulturm hing anfangs nur eine Betglocke, die folgende Inschrift trug: ,,Die erste Glocke des Rhauderfehns M. F. Heidefeld et M. Fremy me fecerunt Anno 1760". Bei der Gründung der Fehntler Kirchengemeinde mit dem jungen Pastor Nellner kaufte man eine größere Glocke aus Emden, die angeblich aus dem im Dollart versunkenen Ort ,,Fletum" stammen sollte. Sie hieß ,,Maria", zersprang aber schon beim allzu heftigen Einläuten. Sie wurde eingeschmolzen und neu gegossen. Angeblich hat diese dann ein böser lärmgeschädigter Nachbar angefeilt: Erneut zersprang sie 1831. Dann ließ man sie so hängen, denn 1834 begann man mit dem Bau des Pfarrhauses, und 1848 war die Kirche fertiggestellt (an der heutigen Stelle). Als nächstes erkennen wir die Kutsche von Bahns, allgemein ,,Omnibus" genannt. Mit ihr wurden die Besucher des Fehns vom Bahnhof Ihrhove abgeholt (die Bahnlinie Rheine-Emden wurde 1870 eröffnet). Dieser Pferdeomnibus stand eigentlich immer vor der Schule, denn es war zu umständlich, jedesmal ganz um den Kanal herumzufahren (die heutige Brücke beim Schuhhaus Bohlen gab es noch nicht). |
Vergangenheit2 |
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Das oben gezeigte Foto ist so scharf, daß man leicht noch eine Ausschnittvergrößerung herstellen kann. Jedesmal entsteht wieder ein gut komponiertes Bild. Hier sehen wir den Mann auf dem Dreihpost vor einer Fülle von Bäumen. Wenn man sich dieselben wegdenkt, kann man das linke Haus heute noch gut wiedererkennen: Es gehörte dem Schlachter Klock (heute Büro Düring). Die Perspektive ist zwar ein wenig strapaziert, trotzdem wollen wir noch die folgenden Häuser benennen: Schemenhaft durch die Bäume zu erkennen ist Wiemkes Haus (früher Erbo, abgerissen); dann folgt das Haus von Heuerbaas Schoon (heute Eilts) und ganz im Hintergrund wohnte Uhrmacher Welts um 1900, später Tick-Tack-Bonn in der Kaserne (heute Rosenfeld). All diese Häuser standen auf dem Bahn'schen Fehngrundstück, denn das ging hin bis zu dieser Mietskaserne. |
Vergangenheit3 |
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Erst auf der doppelten Vergrößerung (S. Photo2) kann man die mißmutigen Mundwinkel des Familienvaters erkennen sowie seine Hauslatschen Er weigerte sich damals beharrlich, die Sonntagsschuhe anzuziehen. Ihm paßte das alles überhaupt nicht, obgleich der Fotograf doch extra bestellt worden war. Zu sehen sind Johann Hensmanns aus Ostrhauderfehn und seine Ehefrau Wilhelmine, geb. Erdwiens, mit den Kindern Anton, Johanne, Elsine, Wilhelm, Anette und Wilhelmine. Eine Aufnahme aus dem Jahr 1923 des in Vergessenheit geratenen Fotografen Georg Hensmanns aus Holterfehn, später ldafehn. Er hatte sein Atelier damals in der (heutigen) Gaststätte Priet und führte sogar einen eigenen OvalstempeL Später wanderte er nach Amerika aus. |
Photo1 |
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s. oben |
Photo2 |
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Die Familie Kennedy als Stammbaum |
Familiengeschichte1 |
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Wertvolle Hinweise sind diesem Heft zu entnehmen |
Familiengeschichte2 |
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Baggerführer Hinnerk Wirtjes und seine Bedienungsmannschaft. Voller Stolz hat Hinnerk diese Aufnahme als Postkarte seinem Onkel in Ostrhauderfehn geschickt. Als auf dem Fehn noch überall der Torf mit der Hand gestochen wurde, gab es auf den großen Moorflächen im Oldenburger Land schon die Lokomobile als Antriebskraft für den maschinellen Torfabbau. Die Firma Strenge in Ocholt hatte riesige Maschinen entwickelt: Sie hatte ein Patent für die langen Ausleger, die das Torfgut auf den weiten Feldern ablegt. In drei Schichten wurde während der Saison rund um die Uhr gearbeitet. Ein Hund gehörte oft genug dazu, um die Einsamkeit erträglicher zu machen. Viele Fehntjer vom Obenende haben auf dem Moorgut Ramsloh, im Schwaneburger Moor oder am Edewechter Damm ihr Geld verdient. Heute ist der industrielle Torfabbau ins Gerede gekommen. Die niedersächsische Landesregierung versucht mit ihrem Moorschutzprogramm, bestehende Hochmoorflächen zu erhalten und sogar wieder in ihren ursprünglichen Naturzustand zu bringen. |
Baggerführer1 |
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Peter Memming aus Kirchborgum heiratet am 22.6.1929 in Breinermoor Regine Watzema. Bei festen solcher Art kam die ganze Verwandtschaft zusammen: Onkel und Tanten, Neffen und Nichten sowie Cousins und Cousinen. |
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Meine angeheiratete Großnichte, oder: Wie werde ich mein eigener Großvater? |
OTanten2 |
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Michael Till Heinze beim Aktenstudium. |
OTanten3 |
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Ein Oldenburger Moordampfer bei der Arbeit. Ein Holzschnitt aus der Gartenlaube von 1873, S. 595. Drei Jahre später veröffentlichte Hausding sein Buch über die industrielle Torfgewinnung und Torfverwertung in Berlin. |
Torf1 |
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Diese modernen "Strengebagger" wurden mit luftgekühlten 8-Zylinder-Dieselmotoren angetrieben. Die Besatzung besteht nun nur noch aus 2 - 3 Mann. |
Torf2 |
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s. oben |
Torf3 |
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s. oben |
Torf4 |
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s. oben |
Torf5 |
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Dieses Photo um 1910 gibt den ehemaligen Torf- und Maschinenmeistern einige Rätsel auf. Ob es sich um einen Püttbagger handelt? Eine gute Entwässerung war das A und O der Brenntorfgewinnung. Oft genug versanken die schweren Maschinen im moorigen Morast. Vielleicht weiß einer unserer Leser die Lösung. |
Torf6 |
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Mit dem riesigen Ausleger wird der Preßtorf abgelegt (Bild oben und unten) |
Torf7 |
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Mit dem riesigen Ausleger wird der Preßtorf abgelegt (Bild oben und unten) |
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Für jede Handarbeit wurde mit der Zeit eine Maschine entwickelt. So gab es Stuker- und Verlademaschinen. Auf unserem Bild ist eine Bültermaschine zu sehen. Die kleinen Stuken wurden auf das Förderband geworfen. Der Rücken tat immer weh! |
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Für jede Handarbeit wurde mit der Zeit eine Maschine entwickelt. So gab es Stuker- und Verlademaschinen. Auf unserem Bild ist eine Bültermaschine zu sehen. Die kleinen Stuken wurden auf das Förderband geworfen. Der Rücken tat immer weh! |
Torf10 |
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Rhauderfehn (H). - Der Fehntjer Kurier ist ein bißchen stolz darauf, seinen Lesern die älteste fotografische Aufnahme von Westrhauderfehn zeigen zu können. Bei einer solchen Behauptung wird sogleich nach dem Beweis gefragt, denn schließlich erkennt man auf obigem Foto lediglich ein schmuckes, sehr groß geratenes Dwarshuus mit einer Scheune im Hintergrund. Die Schornsteine stehen noch wie früher üblich an den Giebelseiten. Die alten Schiebefenster sind ebenfalls noch gut zu erkennen sowie ein schmucker Holzzaun mit einer Magd dahinter. Und zwischen den drei jungen Bäumen? An der Tür steht ein Mann, dann kommt der Hund, und sitzend eine Frau mit einem Kind auf dem Schoß. Auf der Rückseite dieser Aufnahme steht ein Vermerk: ,,Lotte Meyer, geb. 1874." Jetzt ist der Historiker gefragt. Denn ,,Lotte" steht bestimmt nicht im Kirchenbuch. Sehen wir nach. Da heißt es auf Seite 195, Nr.177: ,,Amalie Mathilde Fanny Sophie Charlotte Meyer, geb. 30. Dezember 1874 zu Westrhauderfehn." Das ist also unsere ,,Lotte"! Als Eltern werden angegeben: Apotheker Edwin August Ludwig Meyer und dessen Ehefrau Marie Amalie Wilhelmine, geb. Hake. Nun kann natürlich sein, daß im Dezember 1874 der Winter ebenfalls vergessen hatte zu kommen, aber es dürfte kaum wahrscheinlich sein, daß der Fotograf die Mutter aus dem Kindbett holen ließ, um seine Aufnahme in den Kasten zu bekommen. Das Foto ist also nicht von 1874, sondern von 1875. Denn das Kirchenbuch vermeldet uns, daß ,,Lotte" am 2. Februar 1875 von Pastor Neliner getauft wurde. Als Taufpaten werden aufgeführt: 1. Frl. Amalie Hake aus Hameln, 2. Frau Hauptzollamts-Assistent Sophie Eggers aus Leer, 3. Frau Pastor Mathilde Meyer, geb. Kandelhart, aus Zebelin und Frau Dr. med. Fanny Staats, geb. Meyer, aus Clenze. Auffällig, daß diese Damen die Titel ihrer Ehegatten führen. Das war damals so üblich. Wir sagen ja heute auch noch manchmal ,,Frau Pastor" zur Ehefrau eines Pastors. Zurück zu unserem Bild: Die große Frage ist nämlich, wer die Aufnahme gemacht hat. Die Erfindung der Fotografie wird allgemein auf das Jahr 1837 festgelegt (Daguerreotypie). Es ging eine Welle von Erfindungen durch alle Länder. Schon 1843 gab es die ersten Druckversuche dazu. So ist es nicht erstaunlich, daß etwa 35 Jahre später ein Apotheker, der ja viel von der Chemie verstand, sich dem Hobby ,,Fotografie" verschrieb. Bliebe zu fragen, ob er selbst die Aufnahme gemacht hat oder wer wohl sonst auf den Auslöser gedrückt hat? Vielleicht hatte jemand aus dem Verwandtenkreis solch eine unförmige Plattenkamera? Dann hat vielleicht der Dr. Staats aus Clenze das Patenkind seiner Frau fotografiert? Dieses Rätsel werden wir wohl nicht mehr lösen können. Aber wem das prächtige Haus gehört hatte, in dem 1868 Apotheker Klünder seine Offizin einrichtete, die er dann schon ein Jahr später an Edwin Meyer wieder verkaufte, das müßte sich auch nach so langer Zeit noch feststellen lassen. |
Apotheke1 |
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Besonders auffällig sind die Morphiumgläser in der augenfälligen Dreiecksform. |
Apotheke2 |
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In seiner Apotheke ist Folkert Sarrazin umgeben von alten Gefäßen, die teilweise noch aus dem Besitz seines Vaters stammen. |
Apotheke3 |
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Vor 110 Jahren wurde der Kriegerverein Westrhauderfehn in Marienheil gegründet, wie aus mündlichen Überlieferungen hervorgeht, Vereinslokal war das Hotel Frisia, nachdem man sich zunächst mit einem Klassenzimmer in der Navigationsschule beholfen hatte. Im Jahr 1923, im Januar, beinahe genau an dem Tag der diesjährigen Generalversammlung im Fehntjer Krug, also vor 65 Jahren, hatten die Vereinsmitglieder zwischen Pfarrhaus und Kirche ein Denkmal zu Ehren der Gefallenen des Ersten Weltkriegs eingeweiht, das dann später einen würdigen Platz bei dem Ehrenmal in der 1. Südwieke erhielt. Aus dem Jahr 1928 existiert noch ein Foto des Festumzugs im Untenende, als der Verein sein 50jähriges Bestehen ganz groß feierte. Die Bevölkerung hatte großen Anteil an diesem Ereignis genommen, bei dem auch das Pferdegespann mit den historisch gekleideten Männern und der ,,Germania" mit Speer und Schild sowie eine Jugendgruppe in Marineuniform mit von der Partie gewesen waren. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde der Verein ,,Kyffhäuser", wie er sich nach der Burg Kyffhausen im Waldgebirge zwischen Harz und Thüringer Land nannte, aufgelöst. Erst im März 1952 genehmigten die Besatzungsmächte eine Wiedergründung des Vereins. Inzwischen sind wiederum 36 Jahre vergangen, und der Verein existiert immer noch treu seiner Verpflichtung, die Kameradschaft untereinander zu erhalten (siehe auch den nebenstehenden Bericht der Generalversammlung). |
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